Rainer Kroll
Sozialarchitekt
„Mein eigentliches Lebensmotiv ist die Gestaltung sozialer Kunstwerke, sozialer Architektur – durch Gestaltung ganzheitlicher nachhaltiger Lebensräume und menschlicher Gemeinschaften als heilsame soziale Organismen.“
Rainer Kroll hat eine Ausbildung als Industriekaufmann und eine als Architekt. Heute würde er sich als Sozialarchitekt bezeichnen.
Dazwischen liegt ein Bruch, der alles veränderte. In Leipzig durfte er eine der größten Ökosiedlungen Europas mitentwerfen. 60 Hektar, ein großer Wettbewerb, eine schöne Vision. Dann kamen die Investoren. „Je weniger sie von dem tun, was sie im Hochglanzprospekt versprechen, desto mehr Geld verdienen sie.“
Dieser Satz beschreibt den Moment, in dem Rainer aufhörte, Architektur im klassischen Sinne zu machen. Nicht, weil er sie nicht mehr liebte. Sondern weil er verstanden hatte, dass die Menschen, die am Ende in diesen Häusern leben und sie bezahlen, es vielleicht besser selbst tun sollten. Seitdem begleitet er Gemeinschaften dabei, ihre Lebensräume in eigener Regie zu gestalten.
Sein Werkzeug sind dialogische Planungswerkstätten. Alle, die von einem Projekt betroffen sind oder an seiner Entstehung mitwirken, kommen in einen Raum. Nicht, um gehört und dann übergangen zu werden, sondern um selbst zu entscheiden. Er hat über 30 Projekte begleitet, davon ein Dutzend von Anfang bis Ende. Die Bandbreite reicht dabei von kleinen Wohngruppen bis zu Siedlungen für hundert Menschen.
Die Zukunftsstiftung ist für ihn die konsequente Weiterführung dieses Ansatzes. Sein Leitbild ist die „Wirtschaft des Füreinanderleistens“ – ein Begriff seines Mentors Götz Werner. Eine Wirtschaft, die fragt: „Was braucht der andere, damit er seine Fähigkeiten in die Welt einbringen kann?“ Rainer ist überzeugt, dass sich in dieser Frage das Soziale, das Ökologische und das Wirtschaftliche vereinen. Und dass es Orte braucht, an denen man dies erproben kann: Kulturoasen. Kulturoasen. Knotenpunkte, an denen sich Menschen begegnen, sich stärken und gemeinsam wachsen.
Sein Ruf an alle, die ein leises Ziehen spüren: „Traut euch! Macht’s!“
